Einordnung: Warum ein eigenes Kapitel zum Strukturalismus?
Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band II, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.
Das folgende Kapitel 18 behandelt die „postmoderne Wende“ – Foucault, Derrida, Deleuze, Lyotard. Aber diese Denker fallen nicht vom Himmel. Sie alle reagieren auf eine intellektuelle Bewegung, die das französische Denken der 1950er und 60er Jahre dominierte: den Strukturalismus. Ohne Saussure kein Derrida, ohne Lévi-Strauss kein Foucault, ohne Althusser keine postmarxistische Kritik.
Der Strukturalismus ist zugleich die letzte große systematische Bewegung vor der Postmoderne – und die Brücke zu ihr. Er teilt mit der Postmoderne die Kritik am Subjekt, am Humanismus, an der Geschichtsphilosophie. Aber er glaubt noch an Wissenschaft, an Strukturen, an Erkenntnis. Die Postmoderne wird diese letzten Reste von Systematik dekonstruieren.
Für die Hegel-Rezeption ist der Strukturalismus entscheidend: Er stellt die radikalste Alternative zur Dialektik dar, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Wo Hegel Vermittlung, Prozess, Aufhebung sieht, sieht der Strukturalismus Differenz, Synchronie, Invarianz. Der Streit zwischen Strukturalismus und Dialektik durchzieht die französische Philosophie der Nachkriegszeit – und er ist noch nicht entschieden.
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