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[Die Dezentrierung des Subjekts]
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
- 3331 Philosophie der Antike (Wissen der Idee)
- 3332 Philosophie des Mittelalters
- 3333 Philosophie der Neuzeit (Sichwissen der Idee)
- 33331 Einigungsansätze von Denken und Sein
- 33332 Verstandesphilosophie der Neuzeit
- 33333 [Die moderne Philosophie]
- 333331 [Das Ich als Grund]
- 333332 [Das Absolute als Grund]
- 333333 [Jenseits Hegels]
- 3333331 [Das Gegebene]
- 3333332 [Der Verdacht]
- 3333333 [Die Rückkehr zum Grund]
- 33333321 [Der Verdacht gegen die Verhältnisse]
- 33333322 [Der Verdacht gegen die Werte]
- 33333323 [Der Verdacht gegen das Bewußtsein]
- 333333231 [Die Lebensphilosophie]
- 333333232 [Freud und die Psychoanalyse]
- 333333233 [Die Dezentrierung des Subjekts]
- 3333332331 [Der Strukturalismus (die Struktur steht fest)]
- 3333332332 [Der Poststrukturalismus (die Struktur ohne Mitte)]
- 3333332333 [Die Postmoderne (die Folgerung auf die Epoche)]
Die Dezentrierung des Subjekts
Geschnitten nach der Art der Behauptung, nicht nach Personen. Wer nach Köpfen einteilt, scheitert hier: Lyotard ist selbst Poststrukturalist, Foucault hat strukturalistisch angefangen, und Barthes steht in allen drei Abteilungen zugleich.
Die Lebensphilosophie hat gesagt, unter dem Bewußtsein liege das Leben. Freud hat gesagt, unter ihm liege ein zweiter Schauplatz mit eigenen Gesetzen. Beide behalten ein Inneres. Hier wird auch das aufgegeben: was das Subjekt zu sein meint, ist eine Stelle in einem Gefüge, das es nicht gemacht hat.
Drei Schritte, drei Behauptungen
Die Struktur steht fest. Lévi-Strauss findet im Mythos Regeln, die kein Erzähler kennt und keiner erfunden hat. Lacan überträgt das: das Unbewußte hat die Form einer Sprache, die man vorfindet. Althusser überträgt es auf Marx und trennt den späten vom frühen — ein Bruch, der das Subjekt aus der Geschichte hinausschneidet. In allen drei Fällen ist die Struktur das Feste und das Subjekt ihr Ergebnis.
Die Struktur ohne Mitte. Derrida zeigt, daß eine Struktur, die alles trägt, selbst nicht getragen wird: es gibt keine Stelle außerhalb, von der aus sie sich überschauen ließe. Foucault ersetzt die Frage nach der Ordnung durch die nach der Macht, die sie hält. Deleuze denkt die Differenz, ohne sie als Negation zu fassen — der schärfste antihegelsche Zug der ganzen Bewegung, weil er die bestimmte Negation ausdrücklich verwirft.
Die Folgerung auf die Epoche. Bis hierher waren es Aussagen über Sprache, Struktur, Macht. Jetzt werden es Aussagen über eine Zeit. Lyotard: keine Erzählung legitimiert mehr das Ganze. Baudrillard: das Zeichen verweist auf kein Bezeichnetes. Vattimo zieht daraus die mildeste Folgerung, das schwache Denken — kein Verzicht auf Wahrheit, aber Verzicht auf ihren zwingenden Charakter.
Warum die Trennung nicht willkürlich ist
Lyotard steht im dritten Moment nicht, weil er kein Poststrukturalist wäre. Er steht dort, weil seine Behauptung eine andere Art hat: sie sagt nicht, wie Bedeutung zustande kommt, sondern in welchem Zeitalter wir leben. Das ist ein Schritt über die Methode hinaus, und er läßt sich nicht mit ihr begründen — daß keine Erzählung mehr trägt, ist selbst eine Erzählung über das Ganze.
Eben deshalb hat dieser Schritt Folgen, die die vorigen nicht hatten. Was als Beschreibung einer Lage begann, wird zur Anweisung, wie zu reden ist. Das ist der Gegenstand des letzten Punktes.