Christian Iber: Metaphysik absoluter Relationalität

Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band III, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.

Christian Iber, der als Assistent Michael Theunissens in Berlin tätig war und dessen Lehrstuhl vertrat, legte 1990 eine Studie vor, die Hegels Logik als “Metaphysik absoluter Relationalität” rekonstruierte.[1] Die These: Hegels Logik ist nicht, wie oft behauptet, eine Substanzmetaphysik – die Behauptung, dass alles aus einer Ursubstanz (dem “Absoluten”) abgeleitet werden kann. Sie ist vielmehr eine Relationsmetaphysik: Was es gibt, sind nicht Substanzen, sondern Relationen; die Dinge sind, was sie sind, nur in Beziehung zu anderen.

Diese Lesart hat Konsequenzen. Sie zeigt, dass Hegel kein naiver Metaphysiker ist, der “das Sein” als fixes Fundament setzt. Die Kategorien der Logik – Sein, Nichts, Werden, Dasein, Wesen, Begriff – sind nicht Bausteine einer Welt-Konstruktion, sondern Momente eines Prozesses, der sich selbst hervorbringt. Die “absolute Idee” am Ende der Logik ist nicht ein Ding, sondern die vollständige Selbstdurchsichtigkeit dieses Prozesses.

Ibers Arbeit ist ein Musterbeispiel für das Lesen “von innen”: Er behandelt die ersten beiden Kapitel der Wesenslogik Satz für Satz und zeigt die kleinschrittigen Übergänge. Das macht die Mikrostruktur der Argumentation sichtbar – nicht als externe Beschreibung, sondern als Nachvollzug.


  1. Christian Iber, Metaphysik absoluter Relationalität: Eine Studie zu den beiden ersten Kapiteln von Hegels Wesenslogik, Berlin: de Gruyter, 1990. ↩︎