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[Das Gesetz der Geschichte und seine Bestreitung]
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
- 3331 Philosophie der Antike (Wissen der Idee)
- 3332 Philosophie des Mittelalters
- 3333 Philosophie der Neuzeit (Sichwissen der Idee)
- 33331 Einigungsansätze von Denken und Sein
- 33332 Verstandesphilosophie der Neuzeit
- 33333 [Die moderne Philosophie]
- 333331 [Das Ich als Grund]
- 333332 [Das Absolute als Grund]
- 333333 [Jenseits Hegels]
- 3333331 [Das Gegebene]
- 3333332 [Der Verdacht]
- 3333333 [Die Rückkehr zum Grund]
- 33333311 [Die Tatsache]
- 33333312 [Das Gesetz]
- 33333313 [Die Form des Gegebenen]
- 333333121 [Darwin und die Entwicklung]
- 333333122 [Der Materialismus und der Monismus]
- 333333123 [Das Gesetz der Geschichte und seine Bestreitung]
- 3333331231 [Popper: die Armut des Historizismus]
- 3333331232 [Hayek und Berlin: die beiden Freiheitsbegriffe]
- 3333331233 [Arendt und Voegelin: die politische Anklage]
Das Gesetz der Geschichte und seine Bestreitung
Warum Popper und Arendt unter „Das Gesetz" stehen und nicht in einem eigenen Winkel.
Darwin hat gezeigt, wie sich Entwicklung ohne Ziel erklären läßt; der Materialismus hat die Form auf alles übertragen. Damit steht die Frage im Raum, ob auch die Geschichte ein Gesetz hat. Marx sagt ja. Diese Abteilung versammelt die, die nein sagen.
Sie stehen deshalb hier und nicht bei den Gegnern Hegels überhaupt: Ihr Einwand ist kein philosophiegeschichtlicher, sondern genau der Einwand gegen ein Gesetz. Wer bestreitet, daß es eines gibt, gehört zur Abteilung, in der von Gesetzen die Rede ist.
Drei Weisen, es zu bestreiten
Popper bestreitet die Möglichkeit. Ein Gesetz der Geschichte müßte künftige Erkenntnis vorhersagen; Erkenntnis läßt sich aber nicht vorhersagen, ohne sie schon zu haben. Also gibt es kein solches Gesetz, und wer behauptet, eines zu kennen, rechtfertigt damit nur, was er ohnehin vorhat.
Hayek und Berlin bestreiten die Zulässigkeit. Wer eine Freiheit als das Verwirklichte des Ganzen bestimmt, kann Zwang als Befreiung ausgeben. Berlins Unterscheidung zweier Freiheitsbegriffe ist als Warnung gemeint: die positive Freiheit ist die gefährlichere, weil sie sich gegen den Willen dessen richten kann, den sie befreit.
Arendt und Voegelin bestreiten die Folgen. Die Totalitarismuskritik führt die Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts auf den Anspruch zurück, den Gang der Dinge zu kennen — und nennt Hegel als Gewährsmann.
Was daran trifft und was nicht
Der Vorwurf trifft eine Lesart, die es gegeben hat. Er trifft nicht, was in der Logik entwickelt ist. Hegels Notwendigkeit ist rückwärts gerichtet: sie sagt, wie das Gewordene sich begreifen läßt, nicht, was kommen wird. Die Eule fliegt in der Dämmerung; wer aus ihr eine Prognose macht, hat den Satz umgekehrt.
Trotzdem ist der Einwand nicht bloß Mißverständnis. Er benennt eine wirkliche Gefahr: daß eine Notwendigkeit, die nachträglich gilt, im politischen Gebrauch vorwärts gelesen wird. Wer Hegel verteidigen will, muß diesen Übergang erklären können — nicht bestreiten, daß er vorgekommen ist.