33333313
[Die Form des Gegebenen]
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
- 3331 Philosophie der Antike (Wissen der Idee)
- 3332 Philosophie des Mittelalters
- 3333 Philosophie der Neuzeit (Sichwissen der Idee)
- 33331 Einigungsansätze von Denken und Sein
- 33332 Verstandesphilosophie der Neuzeit
- 33333 [Die moderne Philosophie]
- 333331 [Das Ich als Grund]
- 333332 [Das Absolute als Grund]
- 333333 [Jenseits Hegels]
- 3333331 [Das Gegebene]
- 3333332 [Der Verdacht]
- 3333333 [Die Rückkehr zum Grund]
- 33333311 [Die Tatsache]
- 33333312 [Das Gesetz]
- 33333313 [Die Form des Gegebenen]
- 333333131 [Der Neukantianismus]
- 333333132 [Die Begriffsschrift und der logische Atomismus]
- 333333133 [Der Wiener Kreis]
Die Form des Gegebenen
Warum Frege neben dem Neukantianismus steht — die Zusammenstellung sieht ungewohnt aus und hat einen Grund.
Die beiden vorangehenden Abteilungen haben das Gegebene gereinigt: erst den Gegenstand, dann seinen Zusammenhang. Beide Male bleibt dieselbe Frage übrig. Das Gegebene ist nie roh. Es kommt schon geordnet an — in Fällen, in Gesetzen, in Sätzen. Woher hat es diese Ordnung?
Drei Antworten, und keine beruft sich mehr auf die Erfahrung allein.
Die drei Antworten
Der Neukantianismus. Die Form kommt aus dem Erkennen selbst. Cohen kehrt Kant um: das Gegebene ist nicht Gabe, sondern Aufgabe — was gegeben scheint, ist bereits erzeugt. Die Marburger prüfen das an der Mathematik und der Physik, die Südwestdeutschen an der Geschichte: Windelband und Rickert fragen, wodurch sich eine Wissenschaft vom Einmaligen von einer Wissenschaft vom Gesetz unterscheidet. Cassirer zieht daraus die weiteste Folgerung: nicht eine Form, sondern viele — Sprache, Mythos, Wissenschaft.
Der logische Atomismus. Die Form ist die des Satzes. Frege gibt der Logik eine Schrift, in der sich Schlüsse prüfen lassen, ohne auf das zu sehen, wovon die Rede ist. Moore und Russell wenden das gegen den britischen Idealismus, dem sie vorwerfen, Beziehungen für innerlich zu halten, die äußerlich sind. Der frühe Wittgenstein zieht den Schluß: der Satz ist ein Bild, und was kein Bild ist, ist kein Satz.
Der Wiener Kreis. Die Form entscheidet über den Sinn. Sinnvoll ist, was sich prüfen läßt; alles andere ist Laut. Carnap unternimmt es, die Welt aus Elementarerlebnissen aufzubauen — ein Vorhaben, das die Marburger Absicht mit Freges Mitteln durchführt und dadurch zeigt, wie nah die drei beieinander liegen.
Der Einwand, den man erwarten wird
Frege war erklärter Gegner des Empirismus; sein Hauptangriff in den Grundlagen der Arithmetik gilt Mill. Er steht hier also nicht als Erbe von Comte und Mach. Er steht hier, weil er dieselbe Frage beantwortet wie Cohen — woher die Ordnung kommt — und weil seine Antwort denselben Preis hat.
Dieser Preis ist überall derselbe. Daß nur zählt, was sich messen läßt, ist selbst nicht meßbar. Daß sinnvoll ist, was sich prüfen läßt, ist selbst nicht prüfbar. Der Wiener Kreis hat das gewußt und den eigenen Satz für eine Anweisung erklärt statt für eine Aussage — eine Auskunft, die das Problem benennt, statt es zu lösen.
Der Ast läuft weiter, aber nicht hier. Wer diesen Preis nicht zahlen will, kommt bei Sellars und Brandom heraus, und damit bei Hegel: Der analytische Hegelianismus.