Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 41
Eine Richtung, in der die Antwort liegen könnte
Wenn die Natur als ganze Selbstorganisation zeigt — auf allen Ebenen, mit Emergenz neuer Qualitäten —, dann liegt es nahe, ihre Geschichte als schrittweise Realisierung von immer mehr Momenten des Lebendigen zu lesen: von minimaler Selbstorganisation, wo Atome spontan Kristalle bilden, über autokatalytische Zyklen bis zu Organismen, in denen alle drei Prozesse entwickelt sind.
Das griffe einen Gedanken Schellings wieder auf — seine Rede von der Produktivität der Natur in verschiedenen Potenzen, also Graden. Hegel hat das kritisiert: zu viel Formalismus, zu wenig Begriff. Der Einwand traf. Aber er trifft nicht mehr, wenn man Schellings Intuition mit Hegels eigener Bestimmung des Lebens ausführt — mit drei benannten Prozessen statt mit Polaritäten in unbestimmten Graden.
Die Kategorien der Objektivität verschwänden dabei nicht, sondern blieben als Momente, die in verschiedenen Systemen verschieden gewichtet auftreten. Ein Stern hat mechanische Aspekte — die Gravitation hält ihn zusammen — und chemische — die Fusion erzeugt Elemente. Sein hydrostatisches Gleichgewicht regelt sich selbst, aber teleologisch ist das noch nicht: Es ist Zentralität ohne Selbstbezug, der absolute Mechanismus der Logik (Der subjektive Begriff), und ein Stern, der aus dem Gleichgewicht gerät, verfehlt nichts, was er anstrebte. Nicht verschiedene Gegenstände also, sondern Momente eines Gefüges mit bestimmtem Grad an Selbstorganisation; wo darin das Zweckmäßige beginnt, macht erst die Prüfung an den drei Lebensprozessen entscheidbar (Kap. 29).
Ob das trägt, entscheidet dieser Band nicht. Offen ist schon, ob bei der Natur insgesamt ein Selbst vorliegt, das sich aufhebt, oder ob sie sich bloß faktisch verändert; die Logik hält beides auseinander, entscheidet es aber nicht (Hegels Logik, 20.2b). Der Gedanke ist eine Richtung, keine Ausführung — und sie bedürfte einer Naturphilosophie, die den Stand der heutigen Wissenschaft ebenso ernst nimmt wie Hegel den seinen. Genannt sei sie, weil sie zeigt, was die Stufenlehre leisten könnte, wenn sie an heutigem Material arbeitete. [KF]