Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 42
Rückblick und Übergang
Am Anfang stand der Satz, die Naturphilosophie handle von der Sphäre, in der die Bestimmungen auseinanderfallen.
Das Auseinanderfallen ist kein Mangel der Darstellung. Es hat eine angebbare Form. Was Kap. 41 mit Neuser für die Schlussfigur zeigt — dass in der Logik das Besondere vermittelt, in der Natur das Einzelne, und dass darum das eine Extremum neben dem anderen stehen bleibt, statt in ihm aufzugehen —, ist der Grund für den Befund aus Kap. 24: vier Schritte, wo die Logik drei hat. Es ist derselbe Grund, aus dem die Natur dem Zufall überlassen ist und ihre Formen nicht lückenlos ableitbar sind. Die Ohnmacht, den Begriff festzuhalten, ist deshalb keine Ausrede, sondern eine Bestimmung des Gegenstandes.
Daran hängt die Grenze gegen zwei bequemere Lesarten. Die eine will aus der Logik die Natur errechnen; sie scheitert an der Ohnmacht und vorher schon an der Logik selbst, deren absolute Idee „noch logisch“ ist, „in den reinen Gedanken eingeschlossen“ (TWA 6, 572; Teleologie). Die andere hält die logische Ordnung für eine nachträglich aufgelegte Einteilung; sie scheitert daran, dass sich die Ordnung prüfen lässt — am deutlichsten dort, wo Hegel selbst sie nicht durchhält und die Schlussdarstellung des chemischen Prozesses abbricht (Kap. 20), und dort, wo seine Schüler sie zum Bestätigungsverfahren machen (Kap. 40).
Was der Band der Naturwissenschaft schuldig bleibt und was nicht. Schuldig bleibt er jede Vorhersage. Nicht schuldig bleibt er die Kritik falscher Ontologisierungen — Wärmestoff, Phlogiston, Porentheorie —, und nicht die Frage, welche Form wo überwiegt. Das ist ein Urteil, keine Zuordnung, und es lässt sich bestreiten.
Der Übergang. Kap. 37 hat eine Richtung bezeichnet, in der eine erneuerte Stufenlehre liegen könnte. Der Übergang, den Hegel selbst vollzieht, liegt anderswo und ist bündiger. Die Natur erreicht die Allgemeinheit nur als Wiederholung: Das Individuum geht unter, die Gattung bleibt, und keines der Einzelnen ist je das Allgemeine. Damit ist die Natur an ihrem Ende, nicht weil ihr etwas hinzuzufügen wäre, sondern weil sie die eigene Bestimmung nicht erreicht. Was dem Tier fehlt, ist, sich als Gattung zu wissen.
Der Geist ist die Gattung, die sich weiß. Er ist kein neues Material, sondern dasselbe in einem anderen Verhältnis — und deshalb beginnt die Anthropologie (Was die Anthropologie nicht ist) nicht mit einer Abgrenzung vom Tier, sondern mit dem, was der Mensch mit ihm teilt. Zwei Fäden dieses Bandes laufen dort ausdrücklich weiter. Der innere Zweck, von dem hier gilt, ein Organismus müsse ihn nicht wissen, wird dort als Trieb eingelöst: als empfundener Unterschied zwischen dem, was einer ist, und dem, was er sein könnte. Und die Frage aus Kap. 29, ob zur Lebensform ein Selbstgefühl gehört, wird dort nicht beantwortet, aber verortet — als Stufe des Fühlens.
Zweiter Teil: Die Rezeption
Sieben Versuche, mit Hegels Naturphilosophie zu arbeiten — drei aus seiner Schule, zwei aus der historischen Forschung, zwei aus der Gegenwart. Sie sind hier nicht der Vollständigkeit halber versammelt, sondern weil sie zusammen eine Frage beantworten, die der erste Teil offenlässt: Was geschieht, wenn man diese Philosophie fortschreiben will?
VI. Die Schüler: Erdmann, Rosenkranz und Michelet
Rosenkranz (1850), Erdmann (1858) und Michelet (1876) sind die Neubearbeitungen aus Hegels eigener Schule. Lehrreich sind sie, weil sie dasselbe Programm verschieden ausführen. Der Reihe nach behandelt sind sie hier nicht; den Anfang macht die kürzeste und dichteste der drei.