Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 37
Eine Richtung, in der die Antwort liegen könnte
Wenn die Natur als ganze Selbstorganisation zeigt — auf allen Ebenen, mit Emergenz neuer Qualitäten —, dann liegt es nahe, ihre Geschichte als schrittweise Realisierung von immer mehr Momenten des Lebendigen zu lesen: von minimaler Selbstorganisation, wo Atome spontan Kristalle bilden, über autokatalytische Zyklen bis zu Organismen, in denen alle drei Prozesse entwickelt sind.
Das griffe einen Gedanken Schellings wieder auf — seine Rede von der Produktivität der Natur in verschiedenen Potenzen, also Graden. Hegel hat das kritisiert: zu viel Formalismus, zu wenig Begriff. Der Einwand traf. Aber er trifft nicht mehr, wenn man Schellings Intuition mit Hegels eigener Bestimmung des Lebens ausführt — mit drei benannten Prozessen statt mit Polaritäten in unbestimmten Graden.
Die Kategorien der Objektivität verschwänden dabei nicht, sondern blieben als Momente, die in verschiedenen Systemen verschieden gewichtet auftreten. Ein Stern hat mechanische Aspekte — die Gravitation hält ihn zusammen —, chemische — die Fusion erzeugt Elemente — und teleologische: Das hydrostatische Gleichgewicht ist eine Selbstregulation. Nicht drei Gegenstände, sondern drei Momente eines Gefüges mit bestimmtem Grad an Selbstorganisation.
Ob das trägt, entscheidet dieser Band nicht. Es ist eine Richtung, keine Ausführung — und sie bedürfte einer Naturphilosophie, die den Stand der heutigen Wissenschaft ebenso ernst nimmt wie Hegel den seinen. Genannt sei sie, weil sie zeigt, was die Stufenlehre leisten könnte, wenn sie an heutigem Material arbeitete. [KF]
Zweiter Teil: Die Rezeption
Vier Versuche, mit Hegels Naturphilosophie zu arbeiten — zwei aus seiner Schule, zwei aus der Gegenwart. Sie sind hier nicht der Vollständigkeit halber versammelt, sondern weil sie zusammen eine Frage beantworten, die der erste Teil offenlässt: Was geschieht, wenn man diese Philosophie fortschreiben will?
VI. Die Schüler: Rosenkranz und Michelet
Rosenkranz (1850), Erdmann (1858) und Michelet (1876) sind die Neubearbeitungen aus Hegels eigener Schule, und sie sind lehrreich, weil sie dasselbe Programm verschieden ausführen — und weil der Späteste hinter die Früheren zurückfällt.