Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 27
Zwei Stellen, an denen Hegel Späteres vorwegnimmt
Nicht alles in diesem Teil ist so gealtert wie die Elemente. Es gibt Stellen, an denen Hegel etwas festhält, was die Physik erst Jahrzehnte später anerkannt hat. Vittorio Hösle sammelt sie, und zwei davon sind belastbar.
Das Licht. Hegel weist beide Lichttheorien seiner Zeit zurück, die Emissions- wie die Undulationstheorie, und zwar als gleich einseitig: „keine von beiden Vorstellungen ist hier zu Hause, weil hier nichts Empirisches gilt“ (§ 276 Zus.). Die Begründung ist schlecht — sie läuft darauf hinaus, die empirische Frage abzuweisen. Aber der Befund trifft: Auch die Quantentheorie geht von der Einseitigkeit beider Auffassungen aus.[1] Feynman hat es so gefasst, dass das, was im Kleinsten geschieht, sich weder wie die Wellen noch wie die Teilchen verhält, die wir aus der Erfahrung kennen: „Jetzt haben wir aufgegeben. Wir sagen: ‚Es ist wie keines von beiden.‘“[2] Das vermeidet, was die Rede vom Welle-Teilchen-Dualismus nahelegt, es sei bald das eine, bald das andere. Im Befund, nicht in der Begründung, trifft es sich mit Hegels Satz, keine von beiden „Vorstellungen“ sei hier zu Hause. [KF]
Daran lässt sich etwas über den Wert solcher Vorwegnahmen lernen: Hegel hat recht in dem, was er ablehnt, und unrecht in dem, was er an die Stelle setzt. Wer daraus macht, er habe die Quantentheorie geahnt, überdehnt; wer den Befund übergeht, unterschlägt. [KF]
Die Zeit. Hegel besteht darauf, dass die Zeit nicht wie der Raum gebaut ist — sie hat eine Richtung, während der Raum keine hat. Die Dynamik seiner Zeit sah das anders: Ihre Gleichungen sind zeitumkehrbar. Erst mit der Thermodynamik irreversibler Prozesse ist die Anisotropie der Zeit physikalisch anerkannt worden — Ilya Prigogine hat sie in Vom Sein zum Werden (1979) gegen den reversiblen Zeitbegriff der Dynamik geltend gemacht.[3]
Hier ist die Vorwegnahme gehaltvoller: Hegel hält einen Unterschied fest, der sich später als erheblich erwies.