Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 41

Neuser: warum die Natur die Sphäre der Äußerlichkeit ist

Neusers wichtigster Beitrag steht nicht im Enzyklopädie-Kommentar, sondern in Natur und Begriff (1995). Dort erklärt er, was Hegels Formel von der Natur als „Idee in ihrem Anderssein“ strukturell bedeutet — und zwar aus der Schlussform.

In der Logik vermittelt das Besondere. Der Schluss lautet A–B–E: Das Allgemeine und das Einzelne werden durch das Besondere zusammengeschlossen, und die Vermittlung geschieht in der Grenzbestimmung — ein Extrem geht im anderen als dessen Begrenzung auf.

In der Naturphilosophie vermittelt das Einzelne. Der Schluss lautet A–E–B: Die Vermittlung geschieht „über das Aufnehmen von Einzelnem“. Und daraus folgt etwas, das Hegels Grundbestimmung der Natur erklärt: „Da das Einzelne die vermittelnde Instanz ist, geht zwar einerseits der äußere Gegenstand konstitutiv in den Begriff ein, andererseits bleibt aber die Vermittlung darin zwischen den Extremen des Schlusses immer äußerlich. Das eine Extremum geht nicht in dem anderen als dessen Begrenzung auf, sondern bleibt neben ihm bestehen.“[1]

Neusers Schluss: „Weil dieses Äußerlichsein die Logizität der Naturgesetzlichkeiten ist, beschreibt Hegel die Natur als das Denken, das die Idee in ihrem Äußerlichsein ist.“

Das ist eine Erklärung, keine Paraphrase. Die Äußerlichkeit der Natur ist bei Hegel kein Verdikt und keine Metapher, sondern eine Folge der Vermittlungsform: Wo Einzelnes vermittelt, bleiben die Glieder nebeneinander stehen. Deshalb fallen die Bestimmungen in der Natur auseinander — und deshalb braucht sie vier Schritte, wo die Logik drei hat.

Damit klärt sich auch die Frage nach den Schlussfiguren: Sie leisten nicht, was man ihnen zuschreibt, aber sie bezeichnen einen wirklichen Unterschied zwischen Logik und Naturphilosophie — nur eben einen über die Stellung des Vermittelnden, nicht über den Gegenstand.


  1. Wolfgang Neuser, Natur und Begriff. Studien zur Theoriekonstitution und Begriffsgeschichte von Newton bis Hegel, Stuttgart 1995, Kap. VIII.3. ↩︎