Häufige Fragen: Wie fange ich an?
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Womit fange ich an?
Mit der Logik — wenn Sie einen Kommentar danebenlegen.
Der übliche Rat lautet anders: nicht mit der Logik, sie sei zu schwer. Er galt, solange man sie ohne Begleitung las. Wer allein bei „Sein, Nichts, Werden" beginnt, findet Bestimmungen ohne Anschauung und gibt nach zwanzig Seiten auf.
Mit Begleitung ist es anders. Der Kommentar zur Logik führt in achtzehn Kapiteln durch den Gang der Sache — nicht als Nacherzählung, sondern indem er an jeder Stelle zeigt, warum der nächste Schritt folgt. Wer ihn neben der Enzyklopädie liest, kommt durch.
Der Grund, warum es sich lohnt: die Logik ist nicht ein Teil des Systems neben anderen, sondern die Bestimmungen, mit denen alle übrigen gedacht werden. Wer sie hat, versteht die Rechtsphilosophie in der Hälfte der Zeit.
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Und wenn ich es leichter haben will?
Dann zwei Wege, beide legitim.
Der eine führt über einen Gegenstand: die Rechtsphilosophie handelt von Eigentum, Vertrag, Strafe, Familie, Staat — Dingen, zu denen jeder schon eine Meinung hat, und das hilft. Der Kommentar dazu macht die logische Ordnung sichtbar, ohne die Logik vorauszusetzen.
Der andere führt über eine Propädeutik: erst denken lernen, dann Hegel. Dafür gibt es zwei Bücher von Kai Froeb — Systematisches Denken und Was ist Wahrheit? —, die die Denkbewegungen einüben, um die es bei Hegel geht, an Beispielen aus Wissenschaft und Alltag.
Der leichteste Weg: die Vorlesungen. Wer es sich angenehm machen will, fängt nicht bei den Hauptwerken an, sondern bei dem, was Hegel gesprochen hat — die Vorlesungen zur Ästhetik, zur Geschichte, zur Religion, zur Geschichte der Philosophie. Sie sind für Hörer gemacht, nicht für Leser, und das merkt man: Hegel erzählt, vergleicht und wird deutlich, wo er im Lehrbuch knapp bleibt.
Engels hat in einem Brief die Ästhetikvorlesungen zur Erholung empfohlen, als Lektüre für die Muße. Das ist nicht ironisch gemeint. Wer wissen will, wie Hegel denkt, bevor er sich damit befaßt, was er denkt, findet dort den bequemsten Zugang. Am besten mit den Einleitungen beginnen: sie geben den Überblick, den die Hauptwerke voraussetzen.
Ein Rat zur Sekundärliteratur. Lesen Sie zuerst Hegel selbst. Ein großer Teil dessen, was über ihn geschrieben wurde, schafft mehr Probleme, als es löst — und wer den Text kennt, kann beurteilen, was die Auslegungen taugen. Das gilt auch für diese Seiten.
Welche Ausgabe?
Für den Anfang die Suhrkamp-Werkausgabe in zwanzig Bänden: greifbar, bezahlbar, mit den Vorlesungszusätzen. Sie beruht auf der Freundesvereinsausgabe von 1832–1845 und ist textkritisch überholt, aber für die Lektüre taugt sie.
Wer genauer arbeitet, braucht die Gesammelten Werke der Nordrhein-Westfälischen Akademie — die historisch-kritische Ausgabe. Sie ist teuer und noch nicht abgeschlossen.
Kostenlos und vollständig. Sämtliche Bände der Freundesvereinsausgabe stehen unter hegel.net/hegelwerke als Scans der Originalbände bereit, dazu die Erstausgaben. Zum Nachschlagen einer Stelle ist das unschlagbar. Zum Lesen weniger: Scans lassen sich nicht durchsuchen, nicht umbrechen und passen in keinen Ereader.
Die Vorlesungen liegen inzwischen in Einzeleditionen vor, nach den Nachschriften einzelner Jahrgänge geordnet statt zu einem Text verschmolzen. Das ist ein erheblicher Unterschied: die Freundesvereinsausgabe hat verschiedene Jahre ineinandergearbeitet, was Entwicklungen unsichtbar macht.
Zur Logik gibt es sie ebenfalls, und das wissen die wenigsten: Band 10 und 11 der Ausgewählten Nachschriften bei Meiner — Berlin 1831 und Heidelberg 1817 —, dazu Band 23 der Gesammelten Werke in drei Teilen, herausgegeben von Annette Sell, mit sämtlichen Nachschriften von 1801/02 bis 1831.
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Wie lange braucht man?
Für einen ersten Durchgang durch die Enzyklopädie mit Kommentar einige Monate, wenn man regelmäßig liest.
Das klingt viel und ist es auch. Hegel läßt sich nicht überfliegen — seine Sätze setzen voraus, was zwanzig Seiten vorher entwickelt wurde, und wer das überspringt, liest Wörter statt Gedanken.
Dafür gilt umgekehrt: was einmal verstanden ist, bleibt. Die Bestimmungen wiederholen sich in allen Teilen des Systems.
Ich habe schon einmal aufgegeben. Was mache ich anders?
Drei Dinge helfen erfahrungsgemäß.
Nicht allein lesen. Das ist der häufigste Grund fürs Aufgeben — nicht mangelnde Begabung, sondern fehlende Begleitung. Ein Kommentar, der an jeder Stelle sagt, was gerade geschieht, macht denselben Text zu einer anderen Erfahrung.
Einen Gegenstand mitnehmen. Hegels Bestimmungen sind abstrakt, aber sie sind an etwas gewonnen. Wer beim Lesen ein Beispiel im Kopf behält — eine Institution, einen Streit, eine Erfahrung —, merkt schneller, wovon die Rede ist.
Die Sprache nicht für Absicht halten. Hegel schreibt schwer, aber nicht, um zu beeindrucken. Vieles, was dunkel klingt, ist Fachsprache seiner Zeit; anderes ist der Versuch, eine Bewegung in einem Satz festzuhalten, die eigentlich drei bräuchte.
Weiter: Glossar — es erklärt die Begriffe, an denen man am häufigsten hängenbleibt
Brauche ich Kant vorher?
Es hilft sehr, ist aber nicht zwingend.
Hegel setzt Kant voraus, und zwar nicht nur als Vorgänger, sondern als denjenigen, dessen Frage er weitertreibt. Wer weiß, was Kant mit Ding an sich, Antinomie und synthetischem Urteil a priori meint, versteht Hegels Einwände.
Wer es nicht weiß, kommt trotzdem durch — die Enzyklopädie referiert Kant an den nötigen Stellen. Nur bleibt dann unklar, warum manche Bestimmung so und nicht anders eingeführt wird.
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Welche Sekundärliteratur hilft wirklich?
Dazu gibt es hier eine eigene, kommentierte Bibliographie zu Hegels Logik — nach Jahrzehnten der Lektüre zusammengestellt, mit Angabe, wofür jedes Buch taugt und wofür nicht.
Vorab eine Warnung, die dort ausführlicher steht: es gibt zwei Weisen, Hegel zu studieren. Von außen — man liest, was X über Hegel sagt, vergleicht Y mit Z, sammelt Interpretationen. Und von innen — man vollzieht die Bewegung selbst nach. Die erste führt dazu, daß man die Literatur kennt und die Sache nicht.
Die Kommentare der Hegelschüler. Wenig bekannt und unterschätzt: Hegels unmittelbare Schüler haben Kommentare zur Logik geschrieben, die den Text Paragraph für Paragraph durchgehen — sie hatten ihn im Kolleg gehört und wußten, was gemeint war.
Wer einen auswählen will, nehme Johann Eduard Erdmanns Grundriß der Logik und Metaphysik in der dritten Auflage: kürzer und präziser als die übrigen, mit allen Verbesserungen der ersten beiden und noch nah genug am Original. Die vierte Auflage hat schon Abstand und ist vom späteren Zeitgeist gefärbt.
Daneben stehen Karl Werders Logik (1841) und Hermann Hinrichs’ Grundlinien (1826), dazu die Darstellungen von Karl Rosenkranz und Carl Ludwig Michelet. Sie alle stehen auf hegel.net bereit, jeder Autor unter seinem Namen, und sind in unserer Prüfung von Henrichs Logik-Deutung einzeln verlinkt.
Wovon abzuraten ist: Darstellungen, die Hegel in einem Kapitel erledigen. Was dabei herauskommt, ist meist die These-Antithese-Formel und der Satz vom Weltgeist.
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