Systeme nach Hegel

Nicht wer über Hegel schreibt, sondern wer selbst ein Ganzes bauen will. Drei Momente: das System gegen Hegel, das System aus Hegel, und die Frage, was ein System heute überhaupt wäre.

Die Wiedergewinnung Hegels hat den Text zurückgeholt und den Begriff. Damit steht die Frage im Raum, ob man das noch selbst tun kann, was Hegel getan hat — ein Ganzes darstellen, in dem jeder Schritt aus dem vorigen folgt.

Das System gegen Hegel

Luhmann antwortet mit ja, und zwar unter einer Bedingung: ohne Subjekt. Sein System erklärt sich selbst, kommt ohne Vernunft aus und ohne Ziel. Er gehört hierher, weil er dieselbe Aufgabe übernimmt — und nicht zu den folgenden, weil er nicht von Hegel herkommt, sondern das Gegenmodell baut.

Das System aus Hegel

Drei Entwürfe, die von Hegel herkommen und ihn je auf ihre Art weiterführen. Die Reihenfolge folgt ihrem Selbstverständnis.

Winfield hält an Hegel fest und ändert nur, was die Sache verlangt. Seine Treue gilt einer bestimmten Bestimmung: dem voraussetzungslosen Anfang. Wer nichts mitbringen darf, muß jeden Bereich aus sich entwickeln — und deshalb steht am Ende ein Werk, das von der Logik über Biologie und Kosmologie bis zu den Künsten und zum gerechten Staat reicht. Treue in der Methode ist bei ihm der Grund der Erneuerung im Inhalt, nicht ihr Gegensatz.

Heinrichs versteht sich als Überwinder, führt dabei aber fort, was Hegel seiner Ansicht nach nicht konsequent durchgeführt hat: alles aus der Reflexion abzuleiten. Daraus entsteht eine eigene Ontologie aus vier Sinnelementen — es, ich, du, Medium —, in der auch Bubers Ich und Du seinen Ort bekommt.

Hösle hält Hegels Systemanspruch, seinen Idealismus und sein Verfahren der Aufhebung für richtig und will das ganze Nachhegelsche mit Hegels eigenen Mitteln aufheben. Daß ihm das nur teilweise gelungen ist, ist kein Einwand gegen den Versuch, sondern die Auskunft über seine Schwierigkeit.

Der Einwand, der offen bleibt

Es ist nicht einzusehen, warum auch nur einer der drei besser stünde als ein Kommentar, der zeigt, was im alten System bereits entwickelt ist. Drei Neuentwürfe und ein vollständiger Kommentar stehen hier nebeneinander, und es ist nicht ausgemacht, welches Verfahren weiterführt. Wer neu baut, muß begründen, was das alte nicht konnte. Wer auslegt, muß zeigen, daß es im alten steht. Beides ist Arbeit am selben Gegenstand, und beide Seiten führen sie weitgehend ohne einander.

Auffällig ist noch etwas anderes: Alle drei enden bei der Frage, wie die Gesellschaft eingerichtet sein soll — Winfield mit den sozialen Grundrechten, Heinrichs mit einer Sozialtheorie, Hösle mit dem Idealismus als Wertgrundlage. Wer das Ganze denken will, kommt offenbar dort heraus.